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ZOO - Geflüster: Erfolgreiche Affenliebe mit Tradition
Die beiden Orang-Utan-Kinder des Dresdner Zoos Dodi und Duran sind so unterschiedlich wie ihre Mütter Djudi und Daisy. Djudi, Mutter des am 30. Januar 2010 geborenen Duran, ist bereits 37 Jahre alt. Für Orang-Utan-Verhältnisse eine ältere Dame, die ihrem Sprössling in den ersten 12 Lebensmonaten nicht viel erlaubte. Das Söhnchen hatte artig bei Mama zu beleiben. Anders erging es dem am 24. November 2009 geborenen Dodie mit seiner Mutter Daisy. Sie ist erst 20 Jahre jung und ihr Sprössling durfte beizeiten seine Umwelt erkunden sowie sich bei allen möglichen Kletterversuchen ausprobieren. Kein Wunder, dass der Kleine seinem Bruder in der Entwicklung ein ganzes Stück voraus ist. Gerd Grätz, seit 1972 im ZOO und seit 1974 Pfleger bei den Menschenaffen, hatte sich schon Sorgen gemacht um Dodies Entwicklung. “Wir möchten eine möglichst natürliche Aufzucht, bei der die Tiermütter ihre Kinder aufziehen und von ihr alles Lebensnotwendige lernen. Als Pfleger wollen wir lediglich kontrollieren und nur in Notfällen eingreifen.“ Toni, der Vater der beiden Orang-Utan-Kinder war so ein Notfall. Als er sechs Monate war, starb seine Mutter. Also musste er im Budapester ZOO von Menschen aufgezogen werden. Dadurch fehlen ihm einige Orang-typische Verhaltensweisen. “So hat er beispielsweise Respekt vor seinen Orang-Damen, was in der freien Natur nie passieren würde. Ich freue mich deshalb besonders über sein bisher dreifaches Vaterglück“, so Grätz. Er ist mit Leib und Seele Pfleger bei den Menschenaffen und erwartet schon sehnsüchtig wie seine Schützlinge die warme Jahreszeit. Denn dann können die Tiere endlich wieder in das größere Freigehege, wo sie mehr Platz zum Klettern, Tollen und Toben haben. Mit gemischten Gefühlen denkt Gerd Grätz aber auch an die kommenden Monate. Noch dieses Jahr soll das benachbarte alte Primatenhaus abgerissen werden. “Der Krach wird den sensiblen Orang-Utans schwer zu schaffen machen.” meint der Pfleger, der seine Schützlinge genau kennt. Dabei ging es den Menschenaffen vor 1985 noch schlechter, denn damals waren sie noch im Raubtierhaus untergebracht. Ihr heutiges Quartier war eigentlich nur als Interimslösung gedacht, eine großzügigere Lösung, die den Tieren in der kalten Jahreszeit mehr Bewegungsmöglichkeit bietet, ist allerdings noch nicht in Sicht. Für seine erfolgreiche Orang-Utan Aufzucht ist der Dresdner ZOO bereits unter Gustav Brandes bekannt geworden. Der damalige Direktor hatte 1927 das Glück erstmals das Aufwachsen eines Orang-Babys dokumentieren zu können. Glück deshalb, weil beim Kauf des Tieres niemand wusste dass sie trächtig war. Auf dem Weg nach Dresden kam dann das Baby zur Welt und beide überlebten die weite Reise nach Europa. Duran ist inzwischen der 29. in Dresden geborene “Waldmensch”. Das ist übrigens die Bedeutung für das malaiische Wort „Orang-Utan“. Grätz: “Durch das Abholzen der Regenwälder in Borneo und Sumatra wird es bald keine echten “Waldmenschen” mehr geben. Mit unserer Zucht hoffen wir, dass die Orangs wenigstens in zoologischen Gärten überleben.” Deshalb lebt nun auch die Dresdner Orang-Dame Dunja seit dem 8. März mit ihrem neuen Lebenspartner Naong im Furuviksparken bei Gävle in Schweden. Gerd Grätz begleitete Dunja auf ihrer Reise und hofft, dass bald wieder ein Orang-Utan-Baby das Licht der Welt erblickt. In Dresden wird es mit Nachwuchs mindestens noch zwei, drei Jahre dauern. “Denn unsere beiden Kleinen müssen erst selbstständig und für beide jeweils ein neuer Heimatzoo gefunden werden. In einem Jahr wird Duran sicher den Entwicklungsrückstand gegenüber Dodie aufgeholt haben und zu einem stolzen und kräftigen Orangjüngling herangewachsen sein.” Gerd Grätz wird seinen Schützlingen auch im Jubiläumsjahr so manchen Affenwunsch von deren Augen ablesen und nach Möglichkeit erfüllen.

Uwe Zimmer
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